Rauchen im Lande des Lächelns
Um mit der schlechten Nachricht anzufangen: Japan ist, wie viele andere Orte auch, längst nicht mehr so raucherfreundlich wie früher.
Vor den Olympischen Spielen 2020 in Tokio durfte man an vielen Orten rauchen, mit Ausnahme einiger sehr belebter Straßen in den Städten. Die Spiele veranlassten Teile des japanischen Staates dazu, im Hinblick auf die Besucherhorden aus Ländern mit Tabak-Phobie, ein saubereres Image anzustreben. Die Gouverneurin der Präfektur Tokio hatte behauptet, dass in anderen Städten und Staaten Rauchen auf der Straße nicht erlaubt sei (eine offensichtliche Unwahrheit), was man ihr glaubte.
Als ich diesen Frühling nach Japan reiste, war ich 20 Jahre lang nicht mehr da gewesen, doch von einem dort lebenden Freund hatte ich entmutigende Berichte gehört, die sich leider als geradezu niederschmetternd wahr erwiesen.
Die meisten der Rauchverbote, die wir kennen und verabscheuen, beziehen sich auf Innenräume, doch nach draußen zu gehen, um dort zu rauchen, steht einem fast überall frei. In einigen Gebieten ist das Rauchen in Parks verboten, aber auf Gehwegen ist es in der Regel erlaubt.
Nicht so in Japan, jedenfalls nicht in den Städten, die ich besucht habe. Auf den Straßen stehen Schilder, und in die Gehwege sind gar Plaketten eingelassen, auf denen (wie bei vielen öffentlichen Hinweisen in Japan) Kinderfiguren mit der Aufforderung, das Rauchen zu unterlassen, abgebildet sind. Manchenorts gibt es Karten, die anzeigen, welche Bereiche tabu sind und wo man eine Raucherzone finden kann. Bei einem Verstoß gegen das Rauchverbot droht eine Geldstrafe von 1.000 Yen (gut 5 Euro). Ich habe allerdings nur eine, vielleicht zwei Personen dabei beobachtet, und zwar in den hinteren Ecken kleiner Plätze. Die meisten gehorchen.
Natürlich rauchen viele Menschen, und es gibt dafür ausgewiesene Bereiche: große Kabinen aus Glas und Kunststoff, manche mit Dach, manche ohne. Meistens kann man dort nicht sitzen, und aufgrund der Enge sowie der Ansammlung von Rauch und Hitze sind diese Bereiche eher unangenehm und laden nicht zum Verweilen oder zu geselligen Gesprächen ein. An einer Universität gab es tief liegende „Sitze“ aus Stein, auf denen man hocken konnte. Solche Bereiche finden sich auch in Innenräumen und sie sind recht zahlreich. Gelegentlich gibt es auch Sitzstangen. Positiv ist, dass diese Raucherräume auch an Stellen existieren, an denen sie andernorts nicht bestünden – Flughäfen, Bahnhöfe, Hotels usw.
Nun zur guten Nachricht. Es gibt zahlreiche Bars und ungezwungene Gaststätten („Izakayas“), in denen das Rauchen erlaubt ist oder die über Raucherbereiche verfügen. Oft sind sie nicht auf den ersten Blick zu erkennen, und man muss ein wenig nach ihnen suchen. Ich verbrachte einen frustrierenden Abend in Osaka auf der Suche nach einem geeigneten Ort, an dem man Getränke und Zigaretten genießen konnte. Ich folgte einem Schild mit (englischsprachiger) Aufschrift „Smoking Space“ zu einer cool aussehenden Hipster-Bar mit Plattencovern an den Wänden. Ich war der einzige Gast, und als ich nach einem Aschenbecher („haizara“) fragte, sagte mir der Barkeeper: „Rauchen verboten.“ Wie sich herausstellte, war es die Izakaya direkt daneben, in der man rauchen durfte.
Ich hatte gerade gegessen und wollte eine Bar erleben, also zog ich weiter. Ich fand einen Raucherraum im Innenbereich. Nein – ich fand eine prunkvoll eingerichtete Shisha-Bar und wollte gerade fragen, ob dort das Rauchen von Zigaretten erlaubt sei, als mir auffiel, dass die Karte kein einziges alkoholisches Getränk aufwies! Ein vierter Ort war ein winziges „Hole-in-the-Wall“-Lokal (wie so viele Gaststätten in Japan), mit Shishas und Aschenbechern voller Zigarettenkippen. Aber es gab keine Thekenplätze. Da war ein Tisch, an dem ein Paar saß, und ein weiterer, viel kleinerer Tisch in intimer Nähe dazu. Da ich niemandem den romantischen Abend verderben wollte, entschied ich, dass Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ist, und lag an diesem Abend schon um 21:30 Uhr im Bett.
Um niemanden von der äußerst pulsierenden Stadt Osaka abzuschrecken: Ein Freund, den ich dort besuchte, nahm mich am Vorabend in einen tollen kleinen Karaoke-Laden namens „The Phoenix“ mit, der etwas weiter außerhalb in einem „Vergnügungsviertel“ liegt – und genau dort findet man die besten Orte zum Rauchen.
Ich kann außerdem das „Rambo“ in Tachikawa (einem Stadtteil von Tokio) empfehlen, ein sehr uriges und winziges Lokal mit Sylvester-Stallone-Postern, sowie das „Popolare“ unterhalb des Kyoto Towers in der Nähe des Bahnhofs von Kyoto, das deutlich geräumiger und luxuriöser ist.
Noch etwas: Raucherräume in Hotels sind in der Regel sehr leicht zu haben. Allerdings gibt es kleine Schilder auf dem Nachttisch oder am Kopfteil des Bettes, auf denen man gebeten wird, nicht im Bett zu rauchen – was, wie wir alle wissen, in einem Hotelzimmer der beste Ort zum Rauchen ist, aber was soll man machen?
Trotz gewisser Nachteile steht Japan immer noch auf meiner Liste. Ich habe dort viele Freunde, und natürlich hat das Land in Sachen Landschaft, Kultur und Küche eine Menge zu bieten. Aber auch aus der Sicht eines Rauchers ist es ein guter Ort. Man kann zu seinem Drink und sogar zum Abendessen eine rauchen.

